Der Klimawandel trifft uns hier und jetzt – entschlossenes Handeln schützt und stärkt die Region Landkreis Harburg
Grüne Kreisvorstand: Ernteverluste, Starkregen und Waldbrände im Landkreis Harburg sind messbare Folgen der Erderwärmung – aber kluge Klimapolitik wirkt
„Der Klimawandel ist für viele Menschen noch eine abstrakte Größe. Dabei erleben wir seine Folgen schon heute – auf den Äckern unserer Landkreisbauern, nach Starkregen in unseren Straßen und in den Wäldern, die zunehmend unter Hitze und Trockenheit leiden.“ So María Máñez, Klimawissenschaftlerin und Kreisvorstandsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Harburg.
Sandige Böden, trockene Sommer: Unsere Landwirtschaft trägt die Kosten
Der Landkreis Harburg ist von einem spezifischen Klimarisiko betroffen: Die charakteristischen sandigen Geestböden der Region können Wasser nur begrenzt speichern. Was in normalen Jahren ein landwirtschaftliches Merkmal ist, wird unter den Bedingungen des Klimawandels zur Schwachstelle. Eine Analyse der Ernteerträge in Niedersachsen seit 2010 zeigt die Entwicklung deutlich: Von 2010 bis 2017 stabile Getreideerträge von fünf bis sechs Millionen Tonnen jährlich. 2018 änderte sich das schlagartig – eine außergewöhnliche Hitzewelle drückte die Ernte auf rund 4,7 Millionen Tonnen, ein Rückgang von 20 bis 22 Prozent. Für Niedersachsen allein: ein geschätzter Einnahmeverlust von 200 bis 260 Millionen Euro. Auf den Geestböden im Landkreis Harburg lagen die Verluste in solchen Trockenjahren regional bei 15 bis 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. 2024 folgte erneut ein Rückgang – auf rund 4,6 Millionen Tonnen, knapp 14 Prozent weniger als im Vorjahr.
„Das sind keine Ausreißer – das ist ein Muster.“ so Mañez. „Wer die Ursachen kleinredet, redet auch die Existenzgrundlage unserer Landwirtschaft klein.“
Kreislandwirt Martin Peters zog schon 2023 eine durchwachsene Erntebilanz, in der Dürreperioden und Starkregen insbesondere die Getreideernte mit bis zu 30% geringeren Erträgen stark belastet habe. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bestätigte den Trend für 2024 – erneut gab es stark reduzierte Erträge durch Starkregen.
Vollgelaufene Keller, überflutete Straßen: Starkregen trifft unsere Gemeinden
Die andere Seite des Klimawandels zeigt sich im Extremregen. Im Juni 2018 mussten alle Seevetaler Ortsfeuerwehren gleichzeitig ausgerückt werden, als Starkregen große Teile der Gemeinde überflutete. Die Kirchstraße in Hittfeld war für den Verkehr gesperrt, zahlreiche Keller liefen voll – über 200 Einsatzkräfte waren beteiligt. Im Juli 2025 wiederholte sich das Muster: Ein Starkregenband sorgte für mehr als 50 Feuerwehreinsätze in Seevetal in einer Nacht, mit vollgelaufenen Kellern in Hittfeld, Meckelfeld, Fleestedt und Maschen.
Das ist kein Zufall. Klimaprojektionen des Climate Service Center Germany (GERICS) zeigen für den Landkreis Harburg: steigende Durchschnittstemperaturen, längere Trockenphasen im Sommer – und häufigere Starkregenereignisse im Übergang. Die bestehende Infrastruktur ist auf diese Belastungen nicht ausgelegt. Kommunen, Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer sowie die Feuerwehren sind schon heute die Leidtragenden.
Im März 2025 löste ein brennendes Fahrzeug im Naturpark Lüneburger Heide bei Evendorf – unmittelbar im Landkreis Harburg – einen Waldbrand aus. Zehn Feuerwehren aus dem Landkreis Harburg und dem Heidekreis rückten zu einem Großeinsatz aus: Weil kein direkt zugänglicher Wasseranschluss vorhanden war, mussten Tanklöschfahrzeuge die gesamte Nacht zwischen Brandstelle und den nächsten Hydranten pendeln.
Dieser Fall steht nicht allein. Die Lüneburger Heide mit ihren sandigen Böden gilt als klassisches Waldbrand-Hochrisikogebiet. In Trockenperioden kann der Boden Niederschläge nicht halten. Wenn hohe Temperaturen, Wind und niedrige Luftfeuchtigkeit zusammenkommen, steigt die Waldbrandgefahr nach Einschätzung der Waldbrandzentrale Lüneburg manchmal innerhalb eines Tages auf gefährliche Niveaus. Der Klimawandel verstärkt genau dieses Risiko: Die Trockenphasen werden länger, die Hitzetage nehmen zu.
Klimaschäden kosten heute schon – Handeln jetzt ist die günstigere Wahl
Die volkswirtschaftlichen Schäden durch den Klimawandel sind in ganz Deutschland bereits messbar. Laut Berechnungen des Umweltbundesamts beliefen sich die klimabedingten Schäden in Deutschland zwischen 2000 und 2021 auf insgesamt rund 145 Milliarden Euro – durch Extremwetter, Ernteverluste, Infrastrukturschäden und Gesundheitsbelastungen. Klimaforschende gehen davon aus, dass diese Kosten ohne Gegenmaßnahmen jetzt stark ansteigen werden.
Aber wer heute entschlossen handelt, schafft Schutz vor diesen Kosten. Eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung schätzt, dass jeder heute in den Klimaschutz investierte Euro künftige Schäden im Wert von bis zu fünf Euro verhindern kann.
„Die Rechnung für den Klimawandel zahlen wir längst – jedes Mal, wenn Feuerwehren Keller leerpumpen, wenn Ernten schlechter ausfallen, wenn Böden ausdörren oder Wälder nach Hitze und Dürre krank werden, weil sie sich schlechter gegen Schädlinge wehren können. “Das sind Kosten, die heute schon entstehen. Je später wir handeln, desto höher werden sie.“, betont auch Philipp Schlumbohm, stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Stadtrat Buchholz und Sprecher des Kreisvorstands der Grünen im Landkreis. „Klimaschutz und Klimaanpassung sind keine Last, sondern kluge Investitionen, mit denen wir langfristig Geld sparen und Sicherheit gewinnen.“
Wissenschaftlicher Konsens und politische Verantwortung
Es gibt immer noch Stimmen, die den Zusammenhang menschengemachter Emissionen (vor allem CO2) auf den Klimawandel bezweifeln. Aber der weltweite wissenschaftliche Konsens ist eindeutig: Mehr als 97 Prozent der internationalen Klimaforschenden bestätigen, dass die gegenwärtige Erderwärmung in ihrem Ausmaß und ihrer Geschwindigkeit primär auf menschliche Treibhausgasemissionen zurückzuführen ist.
Zweifel sind ein Motor der Wissenschaft – sie sind wichtig und führen, wenn sie wissenschaftlich begründet sind, zu besserer Einsicht und neuen Erkenntnissen. Aber Positionen, die Jahrzehnte kritischer Forschung ignorieren, helfen uns nicht weiter – im Gegenteil. Sie können dazu führen, dass dringend notwendige Maßnahmen zum Schutz von Landwirtschaft, Infrastruktur und Kommunen verzögert werden und uns in Zukunft Milliarden kosten.
Klimaschutz und Klimafolgenanpassung als Chance: Versorgungssicherheit, regionale Wertschöpfung, stabile Preise
Angesichts zunehmender Klimafolgen braucht der Landkreis Harburg eine Doppelstrategie: weniger Emissionen und mehr Resilienz. Beides ist möglich – und beides lohnt sich. Auf der Anpassungsseite sind konkrete Maßnahmen gefragt: eine leistungsfähigere Wasserinfrastruktur, die Niederschläge speichert und Grundwasserreserven stabilisiert; mehr wasserdurchlässige Böden durch Entsiegelung und bodenschonende Bewirtschaftung; und mehr Grün in Ortschaften – Bäume, Grünflächen, begrünte Dächer – das Hitze abpuffert und das Mikroklima verbessert.
Diese Infrastruktur ist im Landkreis bislang erst in Ansätzen vorhanden. Sie zu entwickeln ist eine kommunale Investition in Sicherheit. Und sie spart Kosten: Aktuelle Studien des Instituts für Wirtschaftsforschung zeigen, dass die Umstellung auf erneuerbare Energien in Deutschland bereits jetzt Ausgaben im zweistelligen Milliardenbereich für den Zukauf fossiler Energieträger einsparen konnte – deutlich mehr als für die Förderung im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) investiert wurde.
Zugleich macht Klimaschutz uns weniger abhängig von den unberechenbaren Entwicklungen an den globalen Ölmärkten – die Energiekrise durch den Krieg in der Ukraine 2022 hat es gezeigt und der Iran-Krieg führt uns mit den aktuellen Preisexplosionen erneut vor Augen, wie schutzlos wir ohne eigene Energiequellen sind.
Klimaschutz schafft Vorteile für alle, auch in der Region: Der Ausbau erneuerbarer Energien sorgt nicht nur für günstige Energiepreise, sondern schafft Arbeitsplätze vor Ort, stärkt die regionale Wertschöpfung und ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern, sich an Energieprojekten zu beteiligen.
Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Harburg
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